Rückblick: 2. Spaziergang auf den Spuren Christa Wolfs in Berlin

  • Startpunkt der Tour: Der 6. Stock des HU-Gebäudes in der Dorotheenstraße 24, in dem Instituts für deutsche Literatur beheimatet ist - und von wo aus man einen idealen Blick gen Museumsinsel hat.

Am 26.10.2018 fand die Herbst-Ausgabe des Stadtspaziergangs auf den Spuren Christa Wolfs statt. Zwischen dem Institut für deutsche Literatur in der Dorotheenstraße 24, Startpunkt des Spaziergangs, und dem Grab Christa Wolfs auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof, der Endpunkt, steuerte die Gruppe zwei weitere Wirkorte Christa Wolfs an.

Knapp 20 interessierte Berliner*innen lauschten den kurzen Impulsvorträgen und passend ausgwählten Auszügen aus dem Ouevre Christa Wolfs. An jedem angesteuerte Ort wurden so persönliche Ankedoten aus dem Leben der Autorin, ihr Verhältnis zu Kolleginnen und Familie, historische Einordnungen und Werkbezüge verwoben und am passenden Standort konkretisiert. Ein Beispiel: Was sagt uns der Blick aus dem 6. Stock des Institutsgebäudes der Humboldt-Universität gen Museumsinsel? Er ist eine Einladung, (mental) zurückzureisen ins Jahr 1965, zum Zeitpunkt des 11. Plenums des ZK der SED, als auf der Museumsinsel ein Treffen zwischen Christa Wolf und Anna Seghers stattfand. Beide Autor*innen verband, trotz und aufgrund des Altersunterschieds von mehr als 30 Jahren, ein ambivalentes Verhältnis. Während der literaturkritische Austausch zwischen Wolf und Seghers äußerst fruchtbar war, erwiesen sich politische Differenzen als Reibungspunkte, bei denen die beiden Frauen nicht zueinander fanden. Die Lesung eines Auszugs aus Christa Wolfs „Ein Tag im Jahr“ lässt diesen Moment 1965 Revue passieren.

Eines wurden den Teilnehmer*innen des Spaziergangs wie auch den Vortragenden einmal mehr bewusst: Eine differenzierte Betrachtung und Diskussion der Lebensgeschichte Christa Wolfs, und in diesem Zusammenhand der DDR gleich mit, tut angesichts stark vereinfachender Narrative im Geschichtsunterricht und in der Medienberichterstattung Not – nichts war und ist einfach schwarz und weiß.

Im Anschluss an die Führung waren die Teilnehmer*innen noch eingeladen, in den ersten Beständen der Arbeits- und Forschungsstelle Privatbibliothek Christa und Gerhard Wolfs an der Humboldt-Universität zu stöbern. Bei Kaffee und Keksen entwickelte sich noch ein lebehafter Austausch zwischen den Tour-Teilnehmenden, die in der DDR aufgewachsen waren, genauso wie zwischen diesen früheren DDR-Bürgern und den Studierenden, die meist erst im Wendejahr oder danach geboren wurden und allenfalls durch ihre Elterngeneration einen persönlichen Bezug zur DDR haben.

Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Buchhandlung „Die Insel“ (Greifswalder Str. 41) statt.

Ein Dank geht an alle Frauen, die den Spaziergang (auch) fotografisch begleitet haben: Ronja Dierks und Sonja Leinkauf

 

MariB

 

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