Christa Wolfs „Der geteilte Himmel“ auf der DW-Liste „100 gute Bücher“

Foto Deutsche Welle

„100 gute Bücher“ lautet der Titel einer Liste, die Literaturkritiker*innen der Deutschen Welle zusammengestellt haben. Auf ihr versammeln sie eine Auswahl aus Romanen und Erzählungen von 1900 bis 2016 – die in englischer Übersetzung vorliegen. Darunter auch Christa Wolfs „Der geteilte Himmel“. Deutsche Übersetzungen sind auf dem englischsprachigen Buchmarkt rar vertreten, daher soll die Liste einen Einstieg in die deutschen Literatur bieten und sie dem englischsprachigen Publikum schmackhaft machen.

An dieser Stelle tun sich einige Fragen auf, mich interessiert besonders: Nach welchen Kriteriun wurde hier ausgewählt? Immerhin hat die an ein internationales Publikum gerichtete Liste eine repräsentative Funktion.

Die Redaktion gibt sich bescheiden: „Gleich vorweg, dies ist keine Auflistung der Besten, kein Ranking. Dies ist eine Präsentation guter Bücher, geschrieben von Schriftstellerinnen und Schriftstellern, die Sie vielleicht schon kennen. Oder auf jeden Fall kennen lernen sollten.“

Unter „gut“ verstehen sie eine bunte Mischung, die möglichst alle(s) abbilden soll: männliche wie weibliche Autoren, Autor*innen mit Migrationsgeschichte, Literatur aus allen deutschsprachigen Ländern, unterhaltende und herausforderne Themen, bekannte Namen und Newcomer.

Dass so ein Projekt kritikanfällig ist, liegt auf der Hand: „Es gab Diskussionen darüber, warum nur knapp ein Drittel der Autoren auf der Liste Frauen sind. Das ist, haben wir bedauernd festgestellt, vor allem einem großem Desinteresse der Branche geschuldet. Schriftstellerinnen hatten es viel schwerer als ihre männlichen Kollegen, einen Verlag zu finden. Und dann auch noch ins Englische übersetzt zu werden.“ Die Auswahl der Bücher ist natürlich subjektiv und unvollständig, dem ist sich auch die Redaktion bewusst, und lädt ein: „Streiten Sie mit uns. Wir wollen die Debatte!“

Zu jedem Buch auf der Liste wurde ein deutsch- und englischsprachiges Video produziert, so auch zur Rezension von Christa Wolfs „Der geteilte Himmel“. Die Redaktion wählte für die Produktion der Videos stets Orte, die einen Bezug zum vorgestellten Werk haben. Im Falle von Christa Wolfs Erzählung drehte die Deutsche Welle  vor einem der letzten Mauerstücke in Berlin an der Gedenkstätte Bernauer Straße.

Im Video bezeichnet Rezensentin Sabine Kieselbach die Erzählung u.a. als „historisches Dokument“. Das komplette Video findet ihr hier. Wenn ihr „Der geteilte Himmel“ bereits gelesen habt, könnt ihr selbst entscheiden, ob ihr Frau Kieselbachs Einschätzung zustimmt bzw. wo ihr von ihrer Meinung abweicht (und das unter diesem Beitrag kommentieren!). Wenn „Der geteilte Himmel“ bei euch noch ungelesen im Bücherregal schlummert, ist das Video ein schöner Anlass, es zu lesen, um die Meinung der Rezensentin auf der Folie eurer Lektüre kritisch beurteilen zu können – und danach noch die restlichen 99 Bücher zu verschlingen…
 

MariB

 

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